Prunus mume – Jap. Aprikose (erschienen in {ln:BONSAI ART 063 'BONSAI ART 63})

Jap. Aprikose – Prunus mume

Zur Familie der Rosaceae zählend, handelt es sich bei der Jap. Aprikose um die berühmteste der vielen, zur Gattung der Prunus gehörigen Spezies. Es sind Bäume und Sträucher, die in erster Linie wegen ihrer Blüten und auch Blattfärbungen gezüchtet werden. Diese Pflanze wächst in den milden Klimazonen der nördlichen Hemisphäre und ist vor allem im Fernen Osten verbreitet. Dort wird die Japanische Aprikose als Zierpflanze genutzt. In der Natur sieht sie wie ein kleiner Baum aus, wird 8–10 Meter hoch, hat eine offene Beastung, eine rundliche Krone sowie eine lockere Verzweigung. Die Rinde entwickelt mit dem Alter tiefe Furchen. Die Blätter sind oval, spitz zulaufend und kräftig dunkelgrün mit einer markanten mittleren Ader.
Die an den Enden der Zweige zahlreich vorhandenen Blüten sind weiß, rosafarben oder rot mit fünf Blütenblättern. Die kleinen, gelblichen Früchte haben ein eher trockenes, leicht bitter schmeckendes Fruchtfleisch. Die prächtige Blüte von Prunus mume kündigt in grellen und unverwechselbaren Tönen den Beginn des Frühjahrs an und ist selbst in unserer Zeit noch ausgesprochen bewegend. Tatsächlich ist vielleicht keine Pflanze wie diese mit solchem ehrfürchtigem Erstaunen betrachtet worden. Mit magischer und religiöser Bedeutung versehen, hat sie eine herausragende Rolle innerhalb der Traditionen und der Kultur vieler Völker. In Japan gilt sie als ein Vorbote glücklicher Ereignisse.

Die Prunus Mume als Bonsai
Sicherlich ist die Aprikose wegen ihrer großzügigen Blüte einer der beliebtesten Blütenbonsai überhaupt. Da sie auf Beschneiden gut reagiert und kraftvoll wächst, ist sie ein gut zu gestaltendes Material. Man sollte jedoch über etwas Erfahrung mit der Pflege von Bonsai verfügen. Ihr gefälliges und harmonisches Aussehen und auch die tiefere kulturelle Bedeutung, die sie auszeichnet, haben aus ihr eine der ersten zu Bonsai gestalteten Pflanzen gemacht. Aus diesem Grund gibt es Exemplare unvergleichlicher Schönheit und unglaublichen Alters. Auch hat sich im Laufe der Jahrhunderte in Japan ein großer Erfahrungsschatz angesammelt. Ihre Kultur als Bonsai ist, beachtet man einige Dinge, unkompliziert und beschert einem schnelle Erfolge. Die Aprikose erfordert aber auch Einsatz und beständige Arbeit, um eine gute und feine Verzweigung zu erzielen. Sie ist für fast alle Stile geeignet (außer der streng aufrechten und der Besenform). Schon nach fünf Jahren Kultivierung können respektable Exemplare vorgezeigt werden.

Vermehrung
Prunus mume kann erfolgreich aus Samen, Stecklingen, durch Abmoosen und Pfropfen vermehrt werden. Die Steinfrüchte benötigen einen Kunstgriff, der die harte Schale überwinden hilft und es dem Wasser erlaubt, zu den Keimorganen des Samens vorzudringen. Man kann das Problem umgehen, wenn man die Samen für einige Sekunden in kochendes Wasser legt oder sie über mehrere Tage bei Umgebungstemperatur wässert; man kann auch selber Hand anlegen und kleine Löcher in die Schale bohren oder sie mit Schleifpapier bearbeiten. Die richtige Zeit für das Pflanzen der Samen ist der Herbst. Das ideale Substrat besteht zu 60% aus feinem Akadama und zu 40% aus grobkörnigem Sand. Die Samen werden im Abstand von 2cm in eine Tiefe gepflanzt, die das Doppelte ihres Durchmessers nicht überschreiten sollte. Die Saatschale wird danach in den Schatten gestellt und immer gut feucht gehalten. Nach dem Keimen sollten die Pflänzchen dann an einen Standort in der Sonne gewöhnt werden. Mit der Gestaltung der neuen Pflanzen kann begonnen werden, sobald diese wenigstens vier Blätter gebildet haben.
Der beste Zeitpunkt für das Nehmen von Stecklingen ist gegen Ende des Winters (Februar). Ideale Zweige sind zwei Jahre alt und werden dann auf eine Länge von 8–10 cm geschnitten. Mit Bewurzelungshormonen versehen wird der Steckling in ein Substrat aus 1/3 Sand, 1/3 Akadama und 1/3 Torf gepflanzt. Um die Wurzelbildung zu beschleunigen, wäre es von Vorteil, ihn in die Sonne zu stellen, allerdings nur, wenn die Möglichkeit besteht, häufig zu gießen, da sonst das Risiko des Austrocknens für die Pflanze zu groß wäre. Im Allgemeinen werden die Stecklinge vor zu starkem Wind geschützt untergestellt. Die ideale Bodentemperatur sollte zwischen 22°C und 24°C liegen. Gießen ist unverzichtbar, sobald die Erde trocken ist. Außerdem sollten die Stecklinge häufig besprüht werden. Erreicht deren neues Wachstum 7cm Länge, können sie einzeln in Anzuchtschalen gepflanzt werden, nicht ohne vorher die Wurzeln leicht zu bearbeiten.
Abmoosen kann man im Mai. Die für diese Spezies beste Methode ist die Entfernung eines Rindenringes. Beim Spitzenpfropfen werden Zweige mit mehreren Knospen gepfropft, beim Nährungspfropfen bzw. Ablaktieren ein Zweig (Pfropfreis) mit dem Bereich des Baumes verbunden, an dem dieser benötigt wird. Dabei müssen sich zwei Kambiumbereiche berühren. Diese Arbeit sollte gegen Ende Februar erledigt werden, wenn die Pflanze, die als Unterlage dient, auszutreiben beginnt. Der Erfolg der Operation hängt auch von der Geschwindigkeit ab, mit der die Schnitte ausgeführt und diese zusammenfügt werden. Wenn die Oberflächen austrocknen, stirbt das Gewebe ab, was eine Vereinigung unmöglich macht. Sind beide Teile einmal richtig zusammengefügt, werden sie mit Kunststoffband oder Raffiabast fest zusammengebunden. Im ersten Jahr danach sollte der Baum frei wachsen; zu Beginn des Frühlings wird die alte Bandage entfernt und eine neue angelegt. Das Reis ist nach einigen Monaten verbunden, aber bis zur vollständigen Verwachsung kann ein Jahr vergehen. Von da an kann die Gestaltung beginnen.
Der Erwerb von Pflanzen in der Baumschule ist sicherlich die einfachste und preisgünstigste Methode für den, der sich zum ersten Mal an der Aufgabe, eine Aprikose zum Bonsai zu gestalten, versuchen möchte.

Standort
Die Aprikose bevorzugt einen sonnigen und luftigen Standort. Die eher ledernen Blätter ertragen selbst die intensive Hitze des Sommers gut. Wenn man allerdings den Zustand des Baums nicht den ganzen Tag über kontrollieren kann, ist ein Standort im Halbschatten oder ein Schattierungsnetz sicherer. Auch im Winter ist kaum mit Problemen zu rechnen, aber es besteht natürlich die Notwendigkeit eines angemessenen Frostschutzes.

Gießen
Sobald die oberste Schicht des Bodens austrocknet, muss reichlich gegossen werden. Während der Blüte verbraucht Prunus mume große Mengen Wasser, weshalb sehr aufmerksam zu gießen ist.

Beschneiden
Bei dieser Spezies müssen zwei verschiedene Techniken des Beschneidens unterschieden werden, je nachdem, ob sich der Baum in der Gestaltungsphase befindet oder ob er bereits gut geformt ist und nur die Bildung der Blüte unterstützt werden soll. Das Beschneiden für die Gestaltung erfolgt während der Wachstumsphase am Ende des Winters, wenn die Knospen anschwellen. Vollständig abzuraten ist, im tiefen Winter zu beschneiden, denn dann kommt es leicht zum Saftrückzug. Beim Winterschnitt ist es besonders wichtig, die Blütenknospen zu erhalten, da man sonst den Zweig verlieren könnte. Ist der Trieb bereits etwas ausgehärtet, kann gegen Ende Juli oder Anfang August wieder beschnitten werden.
Sobald die Verfeinerung der Zweig­struktur abgeschlossen ist, richtet sich das Ziel des Schnittes auf die Förderung des Wachstums von Blüten und Früchten. Versucht wird, die größtmögliche Zahl an Blütenknospen zu erreichen. Diese Spezies blüht gegen Ende des Winters, beginnt aber mit der Knospenbildung im Sommer. Wenn das Zweigwerk gestaltet ist, wartet man auf das Ende der Blüte, um das übermäßige Wachstum des vorhergehenden Jahres zu beschneiden. Die welken Blüten werden entfernt und die Zweige nach Geschmack beschnitten. Der nachfolgende Schnitt erfolgt, wenn sich die Knospen bereits unterscheiden lassen: Die Blütenknospen heben sich von den Blattknospen dadurch ab, dass sie größer und kugeliger sind.

Drahten
Bei der Kultivierung der Aprikose zum Bonsai wird nur selten auf das Drahten zurückgegriffen, weil der natürliche Anblick der Zweige besonders geschätzt wird. Zu Beginn der Strukturierungsphase der Äste ist es dennoch notwendig, deren Stellung mit Draht zu korrigieren. Der günstigste Zeitpunkt für das Drahten liegt zwischen Mitte Mai und Mitte Juni, bevor die neuen Triebe verholzen. Da es sich um eine Spezies handelt, die schnell dicker wird, muss besonders darauf geachtet werden, dass der Draht entfernt wird, sobald er sich in die Rinde einschneidet, was nach ungefähr zwei Monaten der Fall ist.

Pinzieren
Prunus mume muss häufig pinziert werden. Nach der Blüte werden die welken Blüten entfernt und alle Zweige bis auf zwei oder drei Knoten gekürzt. Im Juli, wenn das Längenwachstum eingestellt wird, werden die Triebe pinziert. Bei kleinen Bonsai bleiben drei oder vier Blätter stehen, bei den größeren sechs oder sieben. Die Aprikose produziert am Ansatz der Äste Triebe, die den Ast schwächen und die Struktur gefährden können. Sie müssen sofort entfernt werden. Alle zwei Jahre kann im Juni ein Blattschnitt gemacht werden. Dabei ist aber darauf zu achten, dass ein Baum, der sich erholen muss, oder Äste oder Zweige, die noch dicker werden sollen, nicht ausgelichtet werden dürfen. Um auf diese Technik gut reagieren zu können, muss die Pflanze kräftig und in gutem Gesundheitszustand sein.

Umpflanzen
Da es sich um eine vitale Spezies handelt, muss sie, solange sie jung ist, jedes Jahr umgepflanzt werden. Bei den reiferen Exemplaren kann diese Zeitspanne auf 2–3 Jahre ausgedehnt werden. Der ideale Zeitpunkt für diesen Eingriff liegt zwischen Anfang März und Anfang April. Das ideale Substrat besteht aus 60% Akadama und 40% Lavagranulat.

Düngen
Da die Aprikose das Wasser mag, mag sie auch gedüngt werden, und zwar vor allem im Frühling und Herbst in hohen Dosierungen. Empfohlen wird fester, organischer Dünger mit höherem Stickstoffanteil (BioGold) oder auch organischer Flüssigdünger. Muss die Wurzelbildung angeregt werden, zum Beispiel nach dem Umpflanzen, ist organischer Mineraldünger angereichert mit Vitamin B in flüssiger Form zu empfehlen.

Krankheiten
Besondere Aufmerksamkeit gilt den Blatt- und Schildläusen auf den noch zarten Trieben. Eine gute Methode zur Abwehr dieses Problems ist die monatliche, präventive Anwendung von Insektiziden mit breitem Anwendungsspektrum. Die Pflanze leidet manchmal unter Wurzelfäule. Wird sie aber wie beschrieben kultiviert, findet man kaum solche Schädigungen.