Pinus – Kiefer (erschienen in {ln:BONSAI ART 059 'BONSAI ART 59})

Pinus – Kiefer

Die rund 100 Kiefernarten gehören genauso wie Tannen, Fichten und Lärchen zur Familie der Pinaceae. Kiefern sind die am weitesten verbreitete und wirtschaftlich bedeutendste Koniferengattung. Einige Arten, insbesondere die wild wachsenden, zählen zu den attraktivsten Bäumen der Berge und Täler ganz Europas.
Der lateinische Name Pinus stammt aus dem keltischen Pin (Gebirge, Fels) und würdigt die Fähigkeit dieser Spezies, auf steinigem Gelände zu überleben. Seit der griechischen Mythologie kommt der Kiefer besondere Bedeutung zu, man hat sich ihrer Symbolik und ihres Namen reichlich bedient. Die Kiefer erscheint häufig in den Erzählungen von Ovid, Virgil, Plinius und Horaz, wo sie oft als heiliger Baum auftritt. Die weite geographische Verbreitung dieser immergrünen Pflanzen führt dazu, dass man sie in sehr verschiedenen Regionen findet, auch wenn ihre höchste Konzentration in den Bereichen mit mäßigem oder mäßig kaltem Klima der nördlichen Halbkugel anzutreffen ist. Es gelingt den Kiefern, im Norden den arktischen Polarkreis und im Süden die subtropischen Zonen zu überschreiten.
In der ersten Phase ihrer Entwicklung zeichnen sie sich durch eine schöne, pyramidenförmige Gestalt aus, die sich dann in verschiedene Etagen ausdifferenziert. Mit dem Alter mutiert das pyramidenförmige Profil zu offeneren und kugelförmigen Figuren. Im Laufe der Zeit nimmt die Rinde der meisten Spezies an Dicke zu und bricht mehr oder weniger tief auf. Die Blätter sind nadelförmig, dauerhaft und sprießen aus kleinen Kerzen. Da Kiefern einhäusig sind, befinden sich die weiblichen und männlichen Geschlechtsorgane auf derselben Pflanze. Sobald die Zapfen reifen, geben sie mit Flügeln versehene, paarweise vorhandene Samen frei, die bis dahin von einer stark verholzten Schuppe geschützt waren. Zwischen Bestäubung und Befruchtung kann bis zu ein Jahr vergehen, während das Heranreifen der Samen bis zu zwei Jahre in Anspruch nimmt.
Wirtschaftlich gesehen ist das Holz der Kiefern, das seit dem Altertum verwendet wird, von außerordentlicher Bedeutung. In der Kunsttischlerei gilt das Holz mancher Arten als das beste Holz überhaupt. Für Verpackungen, als Balken, für Bänke usw. ist es wegen seines geringen Gewichts besonders geeignet. Die Rinde wird außerdem zum Gerben von Tierhäuten verwendet. Durch das Destillieren des Harzes der Kiefer erhält man Terpentin, das nicht nur in der Kosmetik und in Farben verwendet wird, sondern auch für antirheumatische Salben Verwendung findet und außerdem ein gutes antiseptisches und balsamisches Produkt bei Entzündung der Atemwege ist.

Die Pinus als Bonsai
Sowohl die heimischen wie auch die importierten Arten (Pinus parviflora, Pinus thunbergii, usw.) nehmen unter den beliebtesten Bonsai den ersten Rang ein. Die Pflanze ist ausgesprochen langlebig und hat gezeigt, dass sie als Bonsai mehrere hundert Jahre alt werden kann. Für viele Bonsailiebhaber war sie sicherlich der Einstieg in die Bonsaikunst. Verschiedene Stile sind für die Kiefer geeignet: Bunjin, streng und locker aufrecht, geneigte Form, Halbkaskaden- und Kaskadenform. Wie auch immer, sie ist auch für andere Formen geeignet, die aber manchmal etwas unnatürlich wirken. Mit zunehmendem Alter prägen sich ihre Charaktereigenschaften noch weiter aus: Die rissiger werdende Rinde wird immer interessanter, das Triebwachstum wird reicher und die Kiefer bildet wunderschöne Etagen aus. Ihre große Widerstandskraft gegen klimatische Schwankungen und andere Umwelteinflüsse beschert der Kiefern eine Langlebigkeit, die, vor allem im Heimatland des Bonsai Japan, zu uralten, eindrucksvollen Exemplaren geführt hat. Diese werden von Generation zu Generation weitergegeben und erzählen ihre individuellen Geschichten.

Vermehrung
Die Vermehrung der Kiefer aus den Samen ist sicherlich das einfachste, wirtschaftlichste und dankbarste Verfahren, auch wenn es lange dauert. Man muss 5 bis 7 Jahre veranschlagen, bevor man den Baum gestalteten kann. Die reifen, dunkelbraunen Kieferzapfen werden im Herbst mit noch geschlossenen Schuppen eingesammelt. Nach dem Einsammeln werden sie für ungefähr zwei Stunden in ein Bad mit einer desinfizierenden Flüssigkeit (ideal ist verdünntes Jinmittel) gelegt. Nach dem Herausnehmen werden die Zapfen im Schatten getrocknet, damit sie sich öffnen und die Samen freigeben. Diese werden nach dem Entfernen der Flügel bis zum Frühjahr an einem trockenen Ort verwahrt. Im März werden die Samen rund vierundzwanzig Stunden in Wasser gelegt und die schwimmenden aussortiert.
Die Saatkiste kann ein nicht sehr hoher und mit Drainagelöchern ausgestatteter Styroporkasten sein. Als Substrat kann getrockneter Sand/Kies in drei Körnungen verwendet werden: 1 mm für die Oberflächenschicht, 1 bis 3 mm als Kultursubstrat und der grobe Kies als Drainageschicht. Bevor die Samen gepflanzt werden, wird gründlich gewässert, damit sich das Substrat setzen kann. Mit einem kleinen Holzstab werden kleine, 1 cm tiefe Furchen gezogen. Die Samen werden in einem Abstand von 2 cm gesetzt und mit Komposterde bedeckt, womit die Aussaat beendet ist. Wichtig ist, dass der Boden bis zum Austreiben nie vollständig austrocknet. Nach ungefähr 15 Tagen entwickeln sich die Wurzeln, und eine Woche später bilden sich die ersten Blätter. Sobald die Samen ausgetrieben sind, können sie nach und nach an die Sonne gewöhnt werden.
Neben der Vermehrung aus Samen ist auch das Ausgraben in der Natur möglich, was bei mangelnder Kenntnis aber sowohl für die Pflanze als auch für die Umwelt mit einem hohen Risiko verbunden ist. Nur mit einer gewissen Erfahrung und der entsprechenden Erlaubnis sollte man diesen Weg wählen. Als ideales Material erscheinen oft alte Kiefern, die in Felsspalten wachsen. Einen solchen Baum zu entnehmen ist aber schwierig und endet für die Pflanze meist tödlich. Einfacher und mit weniger Risiko für Pflanzen und Umwelt verbunden ist das Suchen von Rohmaterial in Baumschulen. In Töpfen als Zierpflanzen gezüchtete Kiefern sind für Anfänger ideal, da sie häufig einen gut ausgebildeten Wurzelballen haben. Das reduziert die Gefahr des Scheiterns auf ein Minimum.

Standort
Kiefern benötigen sonnige und luftige Plätze, weshalb sie immer draußen stehen sollten. Sind die Schalen allerdings von sehr begrenzter Größe, sollten sie im Winter vor kalten Nord- und Ostwinden geschützt werden. Diese trocknen die Bäume sonst aus. Besteht in den heißesten Tagen des Sommers nicht permanent die Möglichkeit, zum richtigen Zeitpunkt zu gießen, kann es notwendig sein, die Pflanzen während des Tages unter ein Schattierungsnetz zu stellen und sie abends wieder herauszusetzen, damit sie den nächtlichen Tau genießen können.

Gießen
Im Allgemeinen vertragen Kiefern Trockenheit ganz gut. Lässt man die Erde zwischen zwei Gießzyklen gut antrocknen, wird das Blattwerk kompakter. Nachmittags möglichst nicht mehr gießen, denn Kiefern mögen nachts keine „kalten Füße“.

Beschneiden
Der Rückschnitt von Ästen oder der Krone erfolgt ausschließlich im Winter, wenn sich der Baum in der Ruhephase befindet und der Saftdruck minimal ist. Trotzdem sickert aus den Wunden Harz, auch wenn sie mit Wundverschlusspaste geschützt werden. Beim Beschneiden sollte ein Stumpf stehen bleiben. Dieser wird mit Wundverschlusspaste behandelt und kann im folgenden Jahr entfernt werden. Der Erhaltungsschnitt besteht im Zurücksetzen der Astspitzen auf einen weiter innen wachsenden Zweig. Zu lange Triebe werden abgeschnitten und durch kürzere seitliche ersetzt. Gleichzeitig werden die nach unten und in andere nicht erwünschte Richtungen wachsenden Triebe entfernt. Wichtig ist, daran zu denken, dass Kiefern eine starke Tendenz zum Spitzenwachstum haben. Die einzige Methode, dieses vertikale Wachstum zu bremsen, ist das Fördern des horizontalen Wachstums.

Drahten
Die für diese Arbeit beste Jahreszeit ist der Winter. Die Kiefern erlauben das starke Biegen der Äste und des Stammes, was bei anderen Spezies undenkbar ist. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die notwendigen Schutzmaßnahmen ergriffen werden. Da das Holz sehr elastisch ist, sollten entweder dickerer Draht oder Spanndrähte verwendet werden, da sonst der geformte Ast oder Zweig in wenigen Minuten in seine Ausgangsposition zurückginge. Nach dem Drahten wird der Baum in den Schatten gestellt und ein paar Mal am Tag mit Wasser besprüht.

Pinzieren
Mädchenkiefer: Der neue Zuwachs sollte gegen April/Mai, wenn die Triebe in Kerzenform in die Länge wachsen, so pinziert werden, dass das Wachstum ausbalanciert wird. Durch entschiedenes Stutzen der längsten und kräftigsten Kerzen und nur leichtes Kürzen oder freies wachsen lassen der schwächeren Triebe wird die Entwicklung des Baumes harmonisiert.
Schwarzkiefer: Der beste Zeitpunkt für das Pinzieren der reifen Kerzen hängt vom Klima ab, liegt aber zwischen Mitte Juni und Ende Juli. Zu diesem Zeitpunkt werden die Triebe vollständig entfernt (Bei uns nicht in jedem Jahr). Zunächst werden die schwächeren und nach zwei Wochen die kräftigen Kerzen heraus geschnitten. Sollten sich im Zweit­austrieb wieder drei oder vier Trie­be an der gleichen Stelle bilden, werden die kräftigen entfernt und die schwächeren im kräftigeren Bereich bleiben stehen. In den schwächeren Bereichen werden die schwächeren Triebe entfernt und die kräftigeren bleiben erhalten.

Umpflanzen
Junge Exemplare werden alle drei Jahre umgepflanzt, die reiferen dagegen alle fünf bis sieben Jahre. Der beste Zeitpunkt liegt zwischen Ende Winter und Anfang Frühling, wenn die Knospen anschwellen, die Kerzen sich aber noch nicht gebildet haben. Das ideale Substrat besteht aus Akadama und grobkörnigem Sand, der eine optimale Drainage sicherstellt. Nach Beendigung des Umpflanzens wird kräftig gewässert und der Baum in den Schatten gestellt. Die Nadeln werden zweimal am Tag besprüht. Erst wenn sich die Nadeln vollständig geöffnet haben, kann die Kiefer an die Sonne gewöhnt werden.

Düngen
Geeignet sind organische Düngekugeln, die sich nur langsam zersetzen. Sie werden sowohl im Frühling als auch im Herbst aufgelegt. Nach dem Umpflanzen muss aber vor dem erneuten Düngen eine fünfwöchige Pause eingelegt werden. Bäume im Bunjinstil werden nur wenig gedüngt, damit ihr Wachstum kontrolliert und verhindert werden kann, dass sie zu schnell ihre Form verlieren.

Krankheiten
Die Kiefern können in der Wachstumsperiode von Parasiten wie Blattläusen und Spinnmilben befallen werden, die sofort mit den entsprechenden Produkten behandelt werden müssen. Zur Prävention sollte die Krone im Winter mit verdünnter Jinflüssigkeit (1:30) besprüht werden.