„Mit Moos begrünen – eine Anleitung zur Kultur“ von Jan-Peter Frahm und „Tropical Bonsai Gallery“ von Budi Sulistyo


Das kleine Büchlein über Mooskultur steht im Mittelpunkt dieser Besprechung. Sehr speziell ist sein Zuschnitt und passt so genau in den Interessenbereich der Bonsaifreunde. Endlich, so ist zu hören, ein Buch das konkrete Fragen nach dem grünen Teppich unter unseren Bonsai beantwortet.
Tropische Bonsai – nicht Zimmerbonsai – sind in einer beeindruckenden Galerie versammelt worden und zeigen das Potenzial dieser oft unterschätzten Arten, die das ganze Jahr Wärme und Sonne brauchen.


frahm_moose.jpg Unscheinbar, wie sein Gegenstand, ist dieses Buch über Moose und hat sich trotzdem auf Platz 1 unserer internen Verkaufsliste geschlichen. Also stelle ich Ihnen dieses Buch hier vor, denn so viele Leute irren sich nicht, oder doch? Softcover, gut 100 Seiten im DIN-A5-Format, einige (meist grüne) Farbbilder: So schaut es aus, das Buch über den Umgang mit diesen unscheinbaren Landpflanzen, die keine allgemein anerkannte Systematik haben. Der Autor ist Professor an der Uni Bonn und ein ausgewiesener Experte, ein Bryologe. Glücklicherweise hat er auf „Wissenschaftlichkeit“ zugunsten von „Lesbarkeit“ verzichtet. Frahm nennt Rezepte, Namen von Firmen und Orten, so dass sein Buch sehr „praktisch“ ist. Was erfährt man im Einzelnen?

Hier merkt man doch die genaue Strukturierung und die wissenschaftliche Herangehensweise. Viele Kapitel gliedern sich in viele Unterpunkte. Hundert Seiten mit fast 20 Kapiteln und nahezu auf jeder Seite ein Unterpunkt – da kann Struktur schon mal unübersichtlich wirken. Aber gleichzeitig kann man schon in der Inhaltsangabe viele interessante Punkte ausfindig machen. Etwa ist im Kapitel „Mooskultur im Garten“ der Unterpunkt „Klimatische Voraussetzungen“ wichtig, weil er auch uns Bonsaianern ganz nebenbei aufzeigt, dass Moosgärten wie in Japan auch bei uns nur in Gegenden möglich sind, die eine dauerhaft hohe Luftfeuchte aufweisen. Das braucht man z.B. auch für die Kultur der Rotfichte. Dabei hilft die Niederschlagsmenge nicht weiter – die kann ja auch bei fünf Gewitterregen niederprasseln – sondern da geht es um feuchtes Mikroklima, viel oder wenig Tau, der wieder von der Tag-Nacht-Temperaturdifferenz abhängt. Man kann viel lernen von Herrn Frahm, dessen Erfahrungen in der Praxis auch unseren Pflanzen zugute kommen können. Für Liebhaber tropischer Bonsai, die ja den Winter drinnen zubringen, ist eine Mooskultur auf der Erdoberfläche sicher auch attraktiv und kann eine natürliche Ausstrahlung der Bonsai unterstützen. Frahm weiß bei allen Sorgen Rat und selbst bei Fragen, auf die ich gar nicht gekommen wäre, gibt er Antworten. Sammeln, selbst durch Sporen vermehren, Moos als Schneckenschreck oder Wasserenthärter, alles drin in dem kleinen Büchlein, das eine etwas größere Schrift vertragen hätte und dann auch ein stattliches Buch geworden wäre. So ist es „nur“ ein kleines überaus empfehlenswertes Buch mit ganz viel drin über ein unscheinbares Thema.

tropical_bonsai.jpg Die Galerie tropischer Bonsai ist ebenfalls ein Softcover-Buch mit 236 Seiten, auf denen jeweils ein Bonsai abgebildet ist. Und was für Bonsai! Indonesische, d.h. tropische Bäume mit Totholz, die wirken wie uralte Kiefern oder Wacholder, Laubgehölze, die aussehen wie mächtige Baumveteranen, die Jahrhunderte unter Schnee und Eis gelitten haben. Man traut seinen Augen nicht, muss mehr als zweimal hinsehen, um dann doch die Blätter der Carmona zu erkennen oder die Nadeln der Casuarina, die eigentlich zur Ordnung der Buchenartigen gehört. Aber hier kommt man mit dem an Pflanzen der gemäßigten Breiten geschulten Blick nicht weiter, denn uns wird in diesen Bildern vorgegaukelt, solche Bäume vor uns zu haben. Die traditionelle Kiefernform findet sich hier in exzellenter Ausführung durchkomponiert bei einer Pemphis, einem Weiderichgewächs, das mit unserer Myrthe oder dem Granatapfel verwandt ist. Man mag eine so an einer fremden Formensprache angelehnte Gestaltung tropischer Pflanzen kritisch sehen, mich hat die extrem hohe Qualität der Verfeinerung verblüfft und beeindruckt. Bonsai hat eben doch seine eigenen Regeln und ist immer mehr auf dem Weg, eine abstrakte Kunstform zu werden, im Fall der tropischen Bonsai besonders, weil diese Bäume aussehen sollen, als seien sie nicht von dort.

Mit Moosen begrünen. Frahm, Jan-Peter.
106 Seiten, 10cm x 15cm, meist farbige Abbildungen, Softcover, 9,90 Euro

Tropical Bonsai Gallery. Sulistyo, Budi.
236 Seiten, 19cm x 23cm, durchweg farbig, Softcover, 29,00 Euro

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