„Shohin Bonsai, Majesty in Miniature“ von Morten Albek

Bildband der 82. Kokufu-ten 2008 in Tokio

 

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Das erstgenannte Buch kam unter Mithilfe von Wayne Schoech zustande, in dessen Verlag Stone Lantern Publishing verschiedene Spezialbücher zu Bonsai erschienen sind. Es ist nicht nur deshalb ein internationales Projekt und daher auch in englischer Sprache verfasst. Der Autor reist viel in der Welt herum und verbreitet den Bonsaigedanken in seiner Ausprägung bis 20 cm Höhe. Im Untertitel verspricht der Däne die Aufdeckung der Geheimnisse kleiner Bäume, nicht mehr und nicht weniger. Wenn das stimmt, ist mit diesem Buch ein Wunsch vieler Freunde der kleinen Bonsai in Erfüllung gegangen. Wir werden genau hinschauen.
Etwas kleiner als DINA4, mit weichem Einband, sind fast 190 Seiten zu studieren, um die Geheimnisse zu entschlüsseln. Aber seien wir mit der Ironie nicht vorschnell. Es hat wirklich an einem grundlegenden Werk zur Gestaltung und Pflege von Shohin gefehlt. Vieles ist vergleichbar mit größeren Bonsai, aber Shohin brauchen in bestimmten Feldern besondere Aufmerksamkeit, will man nicht schnell enttäuscht sein.
Fangen wir mit einer Übersicht an: Nach der Einführung in das Thema Shohin-Bonsai folgen Pflege- und Gestaltungstechniken. Dann folgen Abschnitte über Schalen, Accessoires und die Präsentation von Shohin. Danach werden drei Beispiele Schritt für Schritt vorgestellt. Den Abschluss bilden ein Arbeitskalender, Erläuterungen zur Ästhetik und ein Führer durch die verschiedenen Arten, die für Shohin geeignet sind.
Viel sagt so eine Inhaltsangabe nicht, sie zeigt aber, dass Albek auch versucht hat, ein „alles drin“-Buch zu schreiben. Ihm ist es jedoch geglückt, sich trotzdem auf das Wesentliche zu konzentrieren. Seine Stärke ist die Erfahrung, die er selbst mit Shohin der verschiedensten Arten gemacht hat und die er weitergeben kann. In allen Bereichen sind Albeks Vorschläge und Tipps klar und über Jahre ausprobiert. So etwas findet man tatsächlich kaum in der Literatur zu Bonsai, insbesondere nicht in der zu Shohin-Bonsai.
Schauen wir uns einmal ein Kapitel genauer an. Kiefern, früher gehandelt als Brot-und-Butter-Bonsai, sind nicht unkompliziert, insbesondere als Shohin. Albek setzt diese Warnung an den Anfang seiner Beschreibungen der Besonderheiten bei der Gestaltung und Pflege von Pinus.
Bei den verschiedenen Arten geht der Autor ins Detail und behandelt etwa das Problem des Rückschnitts, des Pinzierens oder des Nadelzupfens anhand der verschiedenen Arten. Welche sind überhaupt geeignet für Shohin? Was bewirken die verschiedenen Techniken in unserem Klima? Sicher haben sich viele Besitzer auch großer Kiefern diese Fragen schon gestellt und zum Teil mühsam über Jahre beantwortet. Morten Albek schöpft aus dem Vollen seiner Erfahrungen mit Kiefern und zeigt auf strukturierte Art, wie ihre Pflege richtig funktioniert.
In diesem Buch werden zwar keine großen Geheimnisse gelüftet, denn was Albek schreibt, kann man auch anderswo lesen. Er hat es aber geschafft, praktisch an das Thema Shohin (und das gilt im Prinzip auch für größere Bonsai) heranzugehen und die Geheimnisse, die sich manchem Bonsailiebhaber nicht entschlüsseln, aufzuklären. Er hält insofern das Versprechen aus dem Titel dieses ausgezeichneten Buches.

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Alle Jahre wieder – ein Kokufu-Band. Der vorzustellende ist vom April dieses Jahres und in seiner Qualität bekannt hervorragend. Neben dem dokumentarischen Aspekt dieses Bilderbuches der aktuell besten Bonsai, habe ich auch schon in den letzten Rezensionen einzelne Bonsai herausgegriffen, die ich für bemerkenswert halte. So auch dieses Mal. Unter den ausgezeichneten Bäumen (Important Bonsai Masterpieces) werden auch immer besondere Bonsai geehrt (Kokufu Price). Diese Sonderpreise kommen sicher manchmal auch aus „politischen“ Gründen zustande, denn die Bonsai lassen z.T. selbst auf dem Foto ihre vergleichsweise begrenzte Qualität erkennen. Nicht so bei der Jap. Ulme auf Seite 27 dieses Bandes. Ein Laubbaum von nur 55 cm Höhe, aber fast 1 m Breite, in einer ovalen, grau glasierten Schale. Diese Ulme weist eine so ausgesprochen filigrane Verzweigung auf, dass man sich kaum vorstellen kann, wie die vielen Zweige den Sommer in ihrem gegenseitigen Schatten unbeschadet überstehen. Aber nicht nur das. Der geneigte Baum hat derart knorrige Äste und einen verwitterten, halbwegs ausgehöhlten Stamm, wie ihn sonst nur uralte Veteranen zeigen. Da die Ulme recht kräftig wächst, muss dieser Bonsai über Jahrzehnte ausgesprochen penibel tagtäglich bearbeitet worden sein. Selbst auf dem Foto ist er von unglaublicher Präsenz und Abgeklärtheit. Er wirkt wie ein mythischer Baum der Vorzeit, mit dunklen Vertiefungen und knorrigen Verwachsungen. Er beflügelt auf ganz eigene Weise die Phantasie des Betrachters und führt ihn in Gegenden, die nicht von dieser Welt zu sein scheinen. Ein echter Märchenbaum.
Wie immer lassen sich beim genauen Studium der Fotos Entdeckungen machen – z.B. sind in diesem Jahr viele Fichten präsentiert und prämiert worden. Und auch neue Trends finden sich. So ist der neue Kokufu-Band nicht nur Dokument der Vergangenheit sondern auch Zeugnis einer offenen Zukunft des Bonsai.

Shohin Bonsai. Majesty in Miniature.
Morten Albek, Wayne Schoech.
188 Seiten, englischsprachig, 19 cm x
24 cm, farbig, Softcover, 24,95 Euro.

Kokufu-Bildband 82.
Ausstellung 2008.
288 Seiten, 26 cm x 25 cm,
farbig, Hardcover, Schuber, 99,00 Euro.

 

 

Vorschau BONSAI ART 91