„BONSAI – Noelanders Trophy 10 years“ der Bonsai Association Belgium

Es gibt nur wenige Ausstellungen in Europa, die über die Ländergrenzen hinweg von internationalen Gestaltern anerkannt sind. Die Noelanders Trophy (N.T.) ist eine davon. Begonnen im Januar 2000 fand sie im letzten Jahr zum zehnten Mal statt. Nun liegt in Form eines Bildbandes die Dokumentation der 10 Ausstellungen vor. Schauen wir uns gemeinsam an, was da in einem Jahrzehnt auf belgischem Boden gewachsen ist.

10 Years Noelanders Trophy Das Hardcoverbuch, das etwa das Format der BONSAI ART hat, ist schön ausgestattet. Die Fotos sind von sehr guter Qualität und das Layout einfallsreich und edel. Leider musste ich, um den Umfang anzugeben, die Seiten des Buches selbst nachzählen: Es gibt keine durchgehende Nummerierung! 250 Fotos sind konsequent den 10 einzelnen Veranstaltungen zugeordnet und die ca. 230 Seiten sind innerhalb dieser auch nummeriert, so dass man z.B. unter N.T. VIII 25 Seiten findet. Das Register am Ende des Buches führt alle abgebildeten Bonsai unter den Namen ihrer Aussteller auf – natürlich geordnet nach diesem System: Z.B. heißt „Udo Fischer VIII 13“, dass er auf der achten Noelanders Trophy eine Lärche ausgestellt hat, die auf Seite 13 dieses Kapitels abgebildet ist. Man kann so natürlich einen Baum finden, aber es ist doch etwas umständlich. Auch mit anderen Zahlen hatten die Macher des Buches wohl Probleme. Erst für die zehnte, die letzte Ausstellung werden die Bonsai mit Größenangaben versehen. Endlich! möchte ich sagen, denn ohne diese ist eine Beurteilung der Qualität sehr erschwert.
Jede Noelanders Trophy stellt also ein separates Kapitel dar. Es wird eingeleitet mit einigen wenigen Bildern der Demonstratoren. Auf einer weiteren Seite finden sich Fotos aus der Ausstellung sowie des Gewinners bei der Preisverleihung. Natürlich wird danach der Gewinnerbaum besonders hervorgehoben. Diese Struktur hält der Band für alle Ausstellungen durch, nur von der ersten Trophy des Jahres 2000 standen scheinbar nur wenige gute Fotos zur Verfügung, so dass diese Veranstaltung nur unzureichend dokumentiert ist.
Nach den formalen Dingen nun zu den Inhalten. Auffallend ist, dass unter den abgebildeten Bonsai zwar auch einige sind, die offensichtlich auf in Japan kultiviertem Ausgangsmaterial basieren. Aber ein hoher Anteil, auch der Gewinner, ist aus Rohmaterial entwickelt, das aus Europa stammt. Darunter sind viele Yamadori, aber auch ehemalige Baumschulware. Vor allem die Briten zeigen ausgezeichnete Bonsai, deren Basis ganz klar aus der Hecke, dem Moor oder den Bergen stammt. Auch unter den zehn Gewinnern, die mit Ausnahme von Udo Fischers Dreispitzahorn im letzten Jahr alles Nadelgehölze – meist Wacholder – waren, finden sich immerhin vier oder fünf, die wohl schon ihr Leben lang in unseren Breiten kultiviert wurden bzw. Yamadori sind. Apropos Gewinner: Die Idee eines „Best in Show“ ist immer problematisch, denn jeder Bonsai hat, ist er harmonisch aufgebaut, seine eigene Ästhetik, die sich kaum mit der besonderen Schönheit eines anderen Bonsai vergleichend bewerten lässt. Oft wirken die Gewinner etwas glatt und gefällig, zeigen viele bekannte und eher konservative Lösungen der Gestaltung. Das ist auf der Noelanders Trophy nicht anders als auf anderen Ausstellungen bis hin zur Kokufu-ten. Trotzdem erfüllen diese „Stars“ auch eine wichtige Funktion, denn sie markieren einen, wenn auch vorläufigen, Höhepunkt der Entwicklung von pflegerischen und gestalterischen Fähigkeiten.
Auch die Entwicklung der technischen und ästhetischen Fähigkeiten der Aussteller auf der Trophy lässt sich in dem Band gut ablesen. Erkennbar ist, dass die Gestalter schon in den ersten Jahren mit ihrem Material umzugehen wissen, aber erst in den letzten tritt bei einigen Stücken der „human touch“ soweit zurück, dass die Bonsai ihr „Gemachtsein“ wieder verlieren. Kronen, die wärmenden Kaffeemützen ähneln, lösen ihre Geschlossenheit in Transparenz auf. An die Stelle akkurater  Frisuren tritt, was die Japaner Mochi-komi nennen, ein Ausdruck ungekünstelter Reife, von der etwas „un-menschliches“ ausgeht. Vielleicht drückt ein Satz, den ich einmal von einem erfahrenen Gestalter hörte, das Gefühl am besten aus, das den Betrachter für einen Bonsai gefangen nehmen kann: „Als ich einmal in einer Ausstellung zu meinem Bonsai kam, schien er mir fremd, so als hätte ich ihn nicht selbst gemacht. Das habe ich wohl auch nicht ganz.“

„Bonsai – Noelanders Trophy 10 years".
Hrsg.: Bonsai Association Belgium.
244 Seiten, 21cm x 27cm, 4-farbig, mehrsprachig, Hardcover, 49,90 Euro. 

Erschienen in {ln:BONSAI ART 100 'BONSAI ART 100}