„The Magician – The Bonsai Art of Kimura 2“ von Stone Lantern Publishing

„The Best of Bonsai in Europe 6“, der Bildband zum Ginkgo Bonsai Award 2007

Zwei schöne Bücher gilt es vorzustellen, deren Vorläufer sicher einige von Ihnen kennen oder gar besitzen. Das eine befasst sich mit den Werken Kimuras und zeigt auch deren Entstehung, das andere dokumentiert die bekannte Ausstellung, die bisher alle zwei Jahre unter der Leitung von Danny Use in Belgien stattfand.

Ginkgo-Award 2007

Beginnen möchte ich mit dem Ginkgo Bonsai Award. 2007 soll er das letzte Mal in seinem Zweijahresrhythmus veranstaltet worden sein. So ist dieser dokumentierende Bildband der vorläufig letzte der Reihe und, kurz gesagt, der beste. An manchen Bänden habe ich ja ein wenig herumgekrittelt, war nicht immer völlig zufrieden, denn der von den Produzenten gesetzte Maßstab war schon immer der Bildband der Kokufu-ten. Diesmal gibt es nichts zu bemängeln. Der 6. ist kein Kokufu-Band, aber das soll er auch nicht sein.
Ebenso, wie die Ausstellung aus dem Schatten ihres großen Vorbildes herausgetreten ist, hat auch der Bildband des Ginkgo-Bonsai-Award seine eigene Form gefunden. Die dunklen Hintergründe, sie füllen optisch manche nicht ganz dichte Krone, würden eigentlich nicht mehr benötigt, denn die präsentierten Bonsai sind durch die Bank reif für ihre Ausstellung. Man hat sie trotzdem erhalten und die Bilder zeigen das, was sie sollen: Sie sind scharf, gut belichtet und der Druck ist einwandfrei. Wie schwierig es ist, einen Bonsai zu fotografieren, so dass er aussieht wie in der Ausstellung, kann jeder ermessen, der es einmal versucht hat. Die Fotos sind hier weniger hart und analytisch wie in den jap. Kokufu-Bänden und das lässt sie weicher, geheimnisvoller erscheinen.
Die Bonsai selbst zeigen eine ausgesprochen hohe Qualität und stellen sicher die Spitze der Bonsai in Europa dar, die von ihren Besitzern überhaupt auf Ausstellungen gebracht werden. Es mag Bonsai geben, die alle dargestellten Bäume in den Schatten stellen können; wenn sie nicht in Ausstellungen auftauchen oder anderweitig veröffentlicht werden, sind sie für die Bonsaiwelt nicht relevant. Am Gipfel wird die Luft dünn! Spanier und Italiener sind wie in den letzten Jahren sehr stark, aber auch einige Briten sind vorne dabei, die Schweizer und Niederländer stellen ebenfalls viele Ausstellungsbäume. So ist dieser Bildband ein ums andere Mal mehr ein Dokument nicht nur des Ginkgo-Bonsai-Award, sondern auch der zunehmenden Qualität von Bonsai in Europa.

The Magician

Diese Behauptung wird auch von Masahiko Kimura unterstützt. In einem Interview mit Morten Albek, ein umtriebiger Däne in der Bonsaiszene, zeigt sich Kimura zurückhaltend gegenüber der Entwicklung von Bonsai in Japan und sieht die Europäer und Amerikaner aufholen. Dieses interessante Interview schließt mein zweites Rezensionsexemplar ab. Wir finden darin viele bekannte Gestaltungen, die Kimura in einer jap. Fachzeitschrift und deren außerjapanische Ableger (zu denen auch BONSAI ART gehört) veröffentlicht hat. Sie alle zusammen zu finden ist schön, noch schöner, dass auch bisher nicht bekannte Gestaltungsprozesse in dem zweiten englischsprachigen Buch über „den Zauberer“ zu finden sind. Kimura hat seine revolutionären Gestaltungen 1982 in Japan in einem ersten Buch veröffentlicht. Ein Paukenschlag – aber niemand schien damals die Bedeutung wahrzunehmen. Kimura fand keine Anerkennung in der Bonsaiwelt, zu extrem schien seine Vorgehensweise, zu traditionsbewusst die Szene. Aber die Globalisierung und mit ihr die weltweite Verbreitung von Bonsai ließ seine Saat im Westen aufgehen.
Das zweite und dritte Buch Kimuras wurde dann Mitte der 80er auch für mich zum „Neuen Testament“ meiner Bonsaireligion. Noch heute haben sie einen Ehrenplatz in meinem Bücherregal.
Ü ber 20 Jahre danach lässt sich Kimura, mittlerweile durch die Aufmerksamkeit des Westens auch in Japan als Großmeister anerkannt, besser einordnen, und er tut es selber. Seine Techniken sieht er als nicht entscheidend für die Gestaltung an. Ihm geht es um das Gefühl für den Baum, das es zu entwickeln gilt, das Erspüren der Schönheit, die in der Pflanze aufzufinden ist. Damit reiht er sich in die konservative Bonsaitradition ein und zeigt das auch durch seine Lehrtätigkeit, durch die er auch in unserem Heft immer wieder von sich reden macht.
Wenn Sie dieses Buch durchblättern, besser noch Seite für Seite und Bild für Bild durcharbeiten, werden Sie viel über Bonsai lernen: über Proportionen und Formen, Linien und Flächen, Details und Wiederholungen. Vieles erschließt sich erst auf den zweiten oder dritten Blick – ein Buch wie eine Schatzkarte. Dabei werden Sie auch Herrn Kawabe entdecken, für mich der Mann der 90er, der die Abstraktion des Bonsai radikal weiter vorangetrieben hat und den Weg der Avantgarde vorzeichnet. Aus dem Gehilfen Kimuras ist ein eigenständiger Künstler geworden, gut zu sehen in diesem Heft. Das Buch jedenfalls ist ein Dokument der avancierten Bonsaigestaltung und uneingeschränkt zu empfehlen.

The Magician. The Bonsai Art of Kimura 2.
Stone Lantern Publishing (Hrsg.).
178 Seiten, englischsprachig, 23 cm x 28,5 cm, farbig, Softcover, 29,90 Euro.

The Best of Bonsai in Europe 6.
Rooswinkel, René (Hrsg.).
200 Seiten, mehrsprachig, 21 cm x 29 cm, farbig, Hardcover, Schuber, 59,50 Euro.