Gerade aus Japan oder China fazinieren uns die unterschiedlichsten Schalenmotive. Doch was bedeuten sie, was stellen sie dar? In dieser Rubrik wollen wir die Geschichte hinter den Darstellungen beleuchten.

 

 

Flaschenkürbis

 

Der Kürbis gilt als eine der ältesten Kulturpflanzen und ist seit Urzeiten bekannt. In vielen Kulturen wurde und wird der Flaschenkürbis ausgehöhlt und getrocknet. Diese Hülle des Flaschenkürbisses wird Kalebasse genannt und meist zum Transport von Wasser und Nahrung, aber auch als Musikinstrument benutzt. Durch das weltweite Vorkommen und die Eignung als Nahrung und Gefäß haben sich in den Regionen der Welt verschiedene Nutzungsformen und Bedeutungen entwickelt.
In China und Japan spielen insbesondere die doppelbauchigen Kürbisse eine wichtige Rolle. Sie wurden in China nicht nur für die Aufbewahrung medizinischer Tinkturen verwendet, sondern sind bis heute wichtige Elemente im Feng Shui: Mit dem Hulu (chin. für Flaschenkürbis) soll sich die Lebensenergie Qì verbessern lassen. Das schlechte Qì dringt durch die Öffnung in die Flasche und wird in den beiden Kammern harmonisiert. Neben der traditionellen Variante des ausgehöhlten und getrockneten echten Flaschenkürbis wurden und werden in China auch Nachbildungen aus Keramik, Porzellan, verschiedenen Metallen oder gar aus Jade gefertigt. In Japan wird die doppelbauchige Kalebasse Hyoutan genannt. Auch hier ist der Kürbis ein Symbol für Glück, Wohlstand und Fruchtbarkeit, teilweise steht er auch für die Erfüllung von Wünschen. Im Shintoismus kann man kleine Kürbisse als Glücksbringer kaufen. Besondere Bedeutung hat hier der Dazaifu Tenman-gū Schrein in der Präfektur Fukuoka: Im Volksglauben gibt es, je nach Alter, bestimmte Unglücksjahre (Yakudoshi), in denen man besonders auf sich aufpassen muss. Bei Männern betrifft es das 25., 42. und 61. Lebensjahr, bei Frauen das 19., 33. und 37. Jahr. Je nach Region kann es hier aber Abweichungen geben. Nicht selten gibt es an den Schreinen Tafeln, um sein Unglücksjahr genau bestimmen zu können. Teilweise wird dem Jahr vor und nach dem eigentlichen Unglücksjahr ebenfalls noch mangelhaftes Glück zugeschrieben. Im Dazaifu Tenman-gū Schrein gibt es kleine Flaschenkürbisse zu kaufen, in deren Innerem ein Stück Papier steckt, auf das Wünsche geschrieben werden. Für die Dauer des Unglücksjahres bewahrt man den Kürbis zu Hause auf. Ist die besagte Zeit des Unglücks vorbei, kann man ihn zurück zum Schrein bringen, wo die Kürbisse dann in einer Zeremonie verbrannt werden, wodurch die Wünsche zu den Göttern gelangen sollen.

 

 

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Kleiner Flaschenkürbis

 

 

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Handbemalte Schale aus japanischem Arita-Porzellan, nach einer Vorlage aus der Edo-Zeit