„Post-Dated, The Schooling of an Irreverent Bonsai Monk“, von Michael Hagedorn und „Die Eibe in neuem Licht“ von Fred Hageneder


Zwei sehr unterschiedliche Bücher von Autoren, die deutschstämmige Namen tragen, aber im englischsprachigen Raum zu Hause sind, stelle ich Ihnen vor. Post-Dated (nachdatiert) beschreibt die Ausbildung des Amerikaners Michael Hagedorn bei Shinji Suzuki in Japan über zweieinhalb Jahre. Der Ethnobotaniker Fred Hageneder, in Hamburg geboren, lebt in Wales und legt ein Buch zur Eibe vor, das vor unterhaltsam aufbereiteten Informationen nur so strotzt.

hagedorn.jpg Schon im Untertitel findet sich Widersprüchliches zur Einheit verschmolzen: ir-reverent, je nachdem, ob man das ir mit liest oder nicht, bezeichnet sich Hagedorn als respektlosen oder ehrfürchtigen Bonsai-Mönch. Er ist beides und sein Buch ist von diesen Perspektiven auf seine Erfahrungen als Schüler von Shinji Suzuki geprägt. Zwischen 2004 und 2006 lebte und arbeitete er in Suzukis Bonsaigarten in Obuse in der Präfektur Nagano, drei Autostunden von Tokio. Das Buch befasst sich in zwei Teilen, man kann sie fast als zwei Bücher lesen, mit dieser Zeit. Der erste Teil ist nah dran am Leben als Auszubildender. Er beschreibt sehr unmittelbar und oft heiter anekdotenhaft Ereignisse dieser Zeit. Stress, Muskelkater, Mühe wer Berichte von Menschen gelesen hat, die in Japan Schüler eines Meisters welcher Art auch immer waren wird, vieles wiedererkennen. Aber diese Ereignisse wandeln sich mit der Veränderung, die im Autor vorgeht. Er sei in die Ausbildung gesprungen, wie in eine Pfütze, um dann zu merken, dass es der unendliche Ozean ist, in dem er schwimmt.
Der zweite Teil seines Buches beschäftigt sich mit den Auswirkungen dieser Erfahrung. Hagedorn versucht zu verstehen, für sich zu übersetzen, was „hinter Bonsai“ steckt. Worte können das nur schwer fassen und er erzählt taoistische Legenden, Geschichten aus dem alten China, die immer auch ein bisschen verrückt sind, um damit ein Gefühl, eine Atmosphäre in unseren Horizont zu über-setzen. Dabei spielt die physische Auseinandersetzung mit der Welt, im speziellen mit der Welt des Bonsai eine zentrale Rolle. Das Lernen findet nicht durch Belehrung statt. Suzuki vergibt Aufgaben und die werden erfüllt, oder nicht (gut genug). Nur wenige Sätze zitiert Hagedorn von seinem Meister, aber was er schreibt, gibt dem Leser einen Geschmack von dieser scheinbar so unverständlichen Welt.
Das kleine Paperback-Buch hat 216 Seiten und ist leider in einem Englisch verfasst, was neben den Schulkenntnissen auch ein Wörterbuch erfordert, um die Feinheiten verstehen zu können. Aber diese Mühe sollte man sich machen, wenn man im Ozean schwimmen will. Meiner Meinung nach ist es für jeden, den ernsthaft die Frage. „Was steckt hinter Bonsai?“ bewegt, eine notwendige Lektüre. Gleichzeitig ist es auch für diejenigen unterhaltsam zu lesen, die Spaß daran haben, mal eben in eine Pfütze zu springen.

Hageneder_Eibe.jpg Von Hagedorn zu Hageneder. Eine Mischung aus Bildband, wissenschaftlichem Werk und Essay ist diese Monografie – kurz: alles über die Eibe!
Das sagt der Autor zwar nicht über sein Werk, aber es scheint sein Anliegen gewesen zu sein, denn es war sicher eine enorme Fleißarbeit, die vielfältigen Daten, Fakten und Geschichten zusammen zu tragen. DINA4, Hardcover, hunderte Farbbilder, 320 Seiten, davon allein 55 Seiten Anmerkungen und Bibliografie – alles zu einem Gegenstand. Auch dieses Buch ist in zwei Teile gegliedert: Natur und Kultur. Sonst geht Hageneder sein Thema ganz anders an. Er ist der analytischen, westlichen Wissenschaftstradition verpflichtet, dringt in die feinsten Verästelungen vor, um diese schließlich zwischen zwei Buchdeckel zu packen. Ich vermute, dass man aus keinem anderen Buch so viele Details über die Eibe erfährt, wie aus diesem. Im Kulturteil finden sich Verbindungen in alle Welt und frühe Zeiten. Hageneder hat aber kein trockenes Faktensammelsurium verfasst, sondern man spürt seine Begeisterung für Bäume und deren Verbindung zu den Menschen. Weitere Bücher wie „Geist der Bäume“ und „Die Weisheit der Bäume“ zeigen sein weit gespanntes Interesse am Spirituellen, das auch im Eibenbuch durchscheint. Glücklicherweise benennt er manches mythisch wirkende Detail, ohne etwas „Überirdisches“ darin zu sehen. Man spürt aber im gesamten Buch den ehrenvollen Versuch, der Ganzheit der Eibe gerecht werden zu wollen.
Die Eibe, in neuem Licht – Es gilt Goethes Satz, den der Autor diesem Buch voranstellt: „Wer nicht von dreitausend Jahren sich weiß Rechenschaft zu geben, bleibt im Dunkeln unerfahren, mag von Tag zu Tage leben.“ Sich der Mühe auszusetzen, dieses Buch zu studieren, bringt nicht nur im Hinblick auf die Eibe Gewinn, sondern erweitert das Verständnis von der Beziehung von Baum und Mensch

„Post-Dated, The Schooling of an Irreverent Bonsai Monk.“ (Demnächst erhältlich)
Hagedorn, Michael.
215 Seiten. 12,5cm x 17,5 cm, einige s/w Abb., Softcover, 14,95 Euro.

{ln:Die Eibe in neuem Licht '„Die Eibe, in neuem Licht.“}
Hageneder, Fred.
320 Seiten. 19,4cm x 26,3cm, durchweg farbig, Hardcover, 39,90 Euro

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