„Das Japanische Teehaus“ von Wolfgang Fehrer

Warum dieses Buch? Dass Sie bis hierher gelesen haben, gibt mir die Möglichkeit, Ihnen den Grund für die Rezension eines zugegebenermaßen sehr speziellen Werkes zu nennen. Denn es ist nicht leicht einzusehen, warum man sich als Bonsaifreund dieser architektonischen Besonderheit Japans im Detail zuwenden sollte. Und, detailreich ist dieses Buch ebenso wie kenntnisreich. Mein Grund, dieses, wie ich schon hier anmerken möchte, großartige Buch zu besprechen, ist, dass im Teehaus nicht nur die japanische Seele erkennbar ist, sondern dass wir in ihm auch unbekannte Räume unseres Herzens betreten können.


Nicht, dass Sie nach der Einleitung vermuten, das Buch handele esoterisch raunend von Geheimnis und Magie. Ganz das Gegenteil ist der Fall. Wolfgang Fehrer geht in dem im Schweizer Niggli Verlag herausgebrachten, ausgesprochen geschmackvoll gemachten Werk analytisch und klar mit seinem Thema um. Er schaut sich aus vielen Perspektiven das Teehaus an, beschreibt sehr genau und dringt so immer tiefer zum Verstehen vor. Die über 230 Seiten mit den vielen oft großformatigen Farbfotos, Grafiken, Illustrationen und Zeichnungen machen einen sehr hochwertigen Eindruck, ohne die dem Thema angemessene Schlichtheit einzubüßen. Ein Beispiel dafür sei die Farbe der Haupttexte, die allgemein in schwarz sind, bei Fehrer jedoch in einem dezenten dunklen Rot, das erst auf den zweiten Blick erkannt wird. Diesen zweiten Blick sollte man beim Betrachten und Lesen dieses Buches ganz bewusst einsetzen, denn der erschließt erst dessen Reichtum.
Fehrer hat in seinem Buch die sonst verstreuten Informationen, die meisten aus westlichen Publikationen, zusammengestellt. Er teilt das Thema in einen eher allgemeinen Teil, in dem die Prinzipien von Raum, Philosophie und Ästhetik auf die Struktur und Konstruktion des Gebäudes und des Teegartens bezogen werden. Die zweite Hälfte des Buches befasst sich konkreter mit der Teezeremonie und ihrer Geschichte, die im 8. Jahrhundert begann und ihren Höhepunkt mit den großen Teemeistern des 15. und 16. Jahrhunderts erreichte. Verschiedene Stile werden vorgestellt und die Entwicklung des Teehauses bis in die heutige Zeit beschrieben. Ein Anhang mit wichtigen Begriffen, Zeittafel und Bibliografie schließen den Band ab.
Hier möchte und kann ich nicht auf alle Perspektiven eingehen, sondern will nur beispielhaft eine herausgreifen, die mich besonders angeregt hat. Der vielen bekannte Begriff „Wabi“. Er geht leicht im abstrakten Konzept des Wabi-Sabi auf, in dem er für uns Westler oft eher unklar und diffus bleibt. Fehrer macht ihn greifbar. Danach leitet er sich von dem jap. Ausdruck Wabishi ab, der wörtlich übersetzt ein Gefühl von unglücklich oder einsam sein, von Enttäuschung beschreibt. Wir würden es ein negatives Gefühl nennen. Dieser Stimmung entspricht Wabi als ein „Fehlen von Dingen, wenn alles entgegen unseren Vorstellungen läuft, unsere Wünsche nicht erfüllt werden.“ Es ist eine Stimmung „in der man lieber allein ist als in Gesellschaft, die Natur der Kultur vorzieht“ (S.41). Mit diesen Worten stellte sich bei mir sofort die Erinnerung an solche Situationen ein, der Wunsch, der unbefriedigenden Welt den Rücken zu kehren, das Einfache aufzusuchen, in den Bergen oder am Meer zu wandern. Solche Gefühlsqualitäten sind für mich nun mit diesem Begriff verbunden und jeder kann seine individuellen Erfahrungen einbinden. Aus dem jap. Wabi wird durch solche dichten Beschreibungen eine Verbindung zu meinem Leben hergestellt. Fehrer hat an vielen Stellen solche Übersetzungsleistungen erbracht, die neben dem Verständnis des kulturell Fremden einen Zugang zu eigenen Erfahrungen ermöglicht. Vordergründig geht es also um Japanische Teehäuser, aber das Buch führt über diesen vermeintlichen Umweg direkt zu vielleicht unerschlossenen Erfahrungsbereichen, die weder östlich oder westlich sondern einfach menschlich sind.

Das Japanische Teehaus – Architektur und Zeremonie:
232 Seiten, Hardcover, 21 cm x 31 cm, durchgehend farbig, 42,00 Euro

„Bonsai Technik 2“ von John Y. Naka

„ Japanische Gärten gestalten“ von Charles Chesshire

Vor fünfundzwanzig Jahren wurde in den USA der zweite Band von John Y. Nakas Bonsaitechnik veröffentlicht. Ab 1990 war es dann auch in deutscher Sprache erhältlich. Zusammen mit dem ersten sind diese beiden Bände in ihrer Bedeutung für die Entwicklung der Bonsaigestaltung im Westen kaum zu überschätzen: Trotz mancher anderslautender Werberhetorik sind sie das bis heute gültige, wahre Standardwerk der Bonsaikultur in westlicher Sprache. Das zweite Buch, lange vergriffen, hat nun eine unveränderte Neuauflage erfahren und ist wieder erhältlich. Zehn Jahre nach meiner letzten Rezension habe ich mich gefragt, wie zeitgemäß es noch ist.


Beginnen möchte ich jedoch mit einem neuen Gartenbuch, das dem aktuellen Trend, sich selbst einen zeitlos schönen japanischen Garten anzulegen, eine Hilfe sein will. Desöfteren habe ich an dieser Stelle mal eher theoretische, manchmal praktische Bücher vorgestellt, die zur Gartengestaltung anleiten wollen. Der japanische Garten integriert auf künstlerische Weise all seine Elemente und wird so idealerweise zu einem Gesamtkunstwerk. Und genau darin besteht für viele gutwillige Gartenfreunde das Problem: Welche Elemente an welchen Stellen in meinem Garten ordne ich wie zu welcher Ganzheit welches japanischen Gartentyps an? Das sind viele Fragen, die die meisten Bücher nicht wirklich beantworten können, es sei denn, man kopiert 1 zu 1 einen vorhandenen Entwurf oder versammelt irgendwelche typischen Elemente. Chesshire, ein bekannter britischer Gartendesigner, geht mit seinem Buch einen anderen Weg. Er setzt auf die Bilder von A. Ramsay und ergänzt sie in kenntnisreichen kurzen Texten mit Informationen über die Bedeutungen und Wirkungen der vorkommenden Elemente. Was drücken bestimmte Elemente in dargestellter Kombination aus? Er geht quasi vom Blick des Betrachters (ein Foto eines Ausschnitts des Gartens) aus und beschreibt was dieser sieht und spürt, wenn er in dieses bestimmte Arrangement schaut. Nachdem ein Bewusstsein für das (Zusammen-) Wirken der Elemente geschaffen ist, gibt der Autor in einer Skizze beispielhafte Anregungen für mögliche wirkungsvolle Kombinationen in Bezug auf einen bestimmten Gartenstil. Als Stile fasst er Teich- und Bachgärten, Trockengärten, Teegärten, Wandelgärten und Hofgärten. Die Gartenelemente teilt er in natürliche und gestaltete. Danach gibt er Hinweise auf verwendete Pflanzen, die nach ihrer Bedeutung in den Jahreszeiten geordnet und auf Eignung für unsere Klimabedingungen eingeschätzt werden. Chesshires Anliegen ist es, dem Leser einen Einblick in die Vorstellungs- und Gefühlswelt zu ermöglichen, die ein Jap. Garten durch kunstvolle Arrangements beim Betrachter erzeugen kann, und das diese Welten nicht entstehen, wenn man einfach eine jap. Laterne an einen Teich stellt. Er will nicht zeigen, wie man japanisches Flair erzeugt, sondern dem näher kommen, was wir auch im Bonsai anstreben: einen tieferen Zugang zur Natur. Das gelingt ihm in seinem Buch und das hat mich und meinen eigenen Garten vorwärtsgebracht.

 

Bonsai Technik 2

John Y. Naka hat in seiner Arbeit mit und an Bonsai wie kaum ein Zweiter die Menschen miteinander und mit der Natur zusammenbringen wollen. Er hätte es sicher sehr begrüßt, dass Bonsai Technik 2 dem deutschsprachigen Publikum nun wieder, wenn auch inklusive der Übersetzungsfehler der deutschen Erstauflage, zugänglich ist. Was gibt es zu meiner Rezension aus Heft 8 zu ergänzen, und, wie zeitgemäß ist das Buch? Nun, es ist mittlerweile 25 Jahre alt, ein Bonsai kann da schon eine gute Reife zeigen. Das gilt jedoch nicht für ein unbearbeitetes Buch. Aber auch nach einem Vierteljahrhundert ist BT 2 ein inspirierender Quell für Gestaltungskonzepte. Das liegt an der Art, wie es gemacht ist. Hunderte von Zeichnungen, nach in der Natur fotografierten Bäumen angefertigt, verdichten die wesentlichen Elemente zu einem jeweils überzeugenden Bonsai. Die passende Schale wird gleich mitgeliefert. Diese Konzepte enthalten Nakas Phantasie und Kreativität und sind genauso frisch wie in den Siebzigern. Was jedoch nicht für die wenigen real abgebildeten Bonsai gilt, denen man ihre Zeit ansieht. Weiter sind die Hinweise zur Präsentation von Bonsai, zu Bambus, zu Beistellpflanzen und Kräuterbonsai interessant. Dass das so ist, zeigt, wie lange es braucht, bis die Bedeutung der Präsentation erkannt und umgesetzt wird.
Ich kann somit dem Band 2 der Bonsaitechnik von J.Y.Naka nur weiter einen hohen „Nährwert“ attestieren. Es ist ein – in diesem Fall ist ein Anglizismus vielleicht angebracht – „must have“ der Bonsailiteratur.

Japanische Gärten gestalten. Chesshire, Charles.
160 Seiten, Hardcover, 23,5 cm x 28 cm, durchgehend farbig, 24,95 Euro

Bonsai Technik 2. Naka, John, Y.
400 Seiten, Softcover, 21,5 cm x 28 cm, schwarzweiß, 54,50 Euro

 

„100 Jahre Bonsai Deutschland“ von Th. Pallmer, H. Obermayer, J. Frahnow

Basic Bonsaivon Jürgen Zaar

Die beiden Veröffentlichungen haben gemein, dass sie höchst aktuell von diesem Jahr sind und sich mit Grundlagen des Bonsai, wenn auch aus unterschiedlichen Blickwinkeln, befassen. Das Team Pallmer/Obermayer/Frahnow aus dem Osten der Republik hat eine Bonsaiausstellung zum Anlass genommen, die Geschichte des Bonsai in Deutschland nachzurecherchieren. Der bekannte Gestalter Jürgen Zaar hat seine Perspektive etwas anders ausgerichtet. Er stellt das Basiswissen in der Bonsaikultur zusammen, die Basics der Bonsaigestaltung.

Zuerst zu einer Publikation, die eine bisher einmalige Arbeit geleistet hat. Die drei Autoren haben in wirklicher Fleißarbeit einem Thema Aufmerksamkeit geschenkt, ohne das Bonsai hier in Deutschland nicht wirklich zu verstehen ist: seiner Geschichte. Die meisten würden sicher annehmen, dass Bonsai eine Erscheinung des Hobbybereiches ist, die vor etwa dreißig Jahren in Deutschland auftauchte. Mit dem Heft, in der Form nicht unähnlich der BONSAI ART, wird die Bonsaigeschichte in Deutschland das erste Mal ernsthaft zusammengefasst. Die Autoren befassen sich in drei Teilen mit den folgenden Zeiträumen: 1683–1945 „Von der schönen Augenlust...“, 1946–1989 „Bonsai im geteilten Deutschland“ und 1990–2007 „European Bonsai“.
Diese drei Teile werden durch unterschiedliche Beiträge ergänzt, die als weitere Themen das Begleitheft zur Jubiläumsausstellung in Dresden-Pillnitz (15.–17.6.2007) vervollständigen. Hier möchte ich mich aber nur auf die drei geschichtlichenHauptteile beziehen.
Klar wird bald, dass der Begriff Bonsai erst 1926 in der deutschen Sprache auftauchte. So kann man vor diesem Datum nur indirekt von „Bonsai“ sprechen, wenn kleine Bäume mit vergleichbaren Techniken, wie z.T. heute noch, bearbeitet wurden. Auch in Japan wird der Ausdruck Bonsai erst Ende des 19. Jh. gebräuchlich. Meist umschrieb man diese Kuriosa als „Zwergbäume der Japanesen“. 1692 wurden diese Zwergbäume das erste Mal bei Georg Meister in deutscher Sprache erwähnt. Oft geht es bei den Beschreibungen um Obst- und Blütenbäume.
Das erste Auftauchen der Bonsai im Westen wird meist auf 1878 zur Pariser Weltausstellung datiert. Das Autorenteam findet jedoch eine Quelle, die eine erste Bonsaipräsentation 1873 nahelegt. Um 1900 wird Japan populär, diesmal seine funktional einfachen Formen, die die Architekten und Künstler faszinieren. Missverständnisse entstehen jedoch immer, wenn versucht wird, ohne ge-naue Kenntnisse der Techniken, die Gründe für den „Zwergwuchs“ zu entschlüsseln.
Der erste Teil endet mit der Bewertung von Bonsai im Nationalsozialis-mus als „Abnormalitäten“, die als Fremdlinge nichts in deutschen Gärten verloren hätten.
Diese vielfältige Sammlung von frühen literarischen Fundstücken zeigt die interessierte Haltung Bonsai gegenüber, die in früheren Zeiten herrschte und in neueren, die stärkere Ressentiments hervorbrachte.
Der zweite Teil führt an, dass die USA (seit der Centennial Exposition 1876) und Großbritanien (seit der jap.-brit. Ausstellung 1910) sehr viel früher vom Bonsaivirus erfasst worden sind und somit eine längere Tradition pflegen als Mittel- bzw. Südeuropa. (Erster Bonsaiclub in Kalifornien 1950, in dem J.Y.Naka bereits eine Rolle spielte.) In diesem Teil geht es verstärkt um Bonsai in Ost- und Westdeutschland, wofür Figuren wie Wilhelm Elsner (DDR, sein Porträt im Heft) und Paul Lesniewicz (BRD, zusammen mit Horst Krekeler, mit dem es ein Interview im Heft gibt) stehen. Für viele wird dieser Teil Neuland in Sachen Ost-Bonsai sein.
Der dritte Teil (European Bonsai) konzentriert sich auf Wolf-D. Schudde, dem für die Fortentwicklung des Bonsai in Europa ein zentraler Stellenwert zugemessen wird. Diese Einschätzung kann man bezweifeln und die Autoren tun das auch selbst implizit (Untertitel: Ausweg oder Irrweg?), waren aber wohl aufgrund der Vielfalt der Entwicklungen und dem Mangel an theoretisch explizierten Positionen mit einer Zusammenschau überfordert. (Ich werde im nächsten Heft eine Einordnung von Bonsai in die Kunst der Moderne versuchen.)
Dieses Heft ist vor allem dank seines ersten Teils höchst interessant und wichtig. Es ist ein meines Wissens nach erster konkreter Versuch einer Verortung von Bonsai in deutscher und europäischer Geschichte.

 

100 Jahre Bonsai Deutschland.
Thomas Pallmer, Herbert Obermayer, Jörg Frahnow; 78 Seiten, DINA4, durchgehend farbig, Broschur, 8,00 Euro

 

Basic Bonsai

Jürgen Zaars Buch, im für Bonsai beliebten Querformat, leistet, was es verspricht. Es stellt die Grundlagen der Techniken dar, die ein bisher dem Bonsai fremd gegenüberstehender Interessent braucht, um selbst damit anzufangen. Dabei gibt er einen guten, wenn auch etwas unübersichtlichen Einblick: Es fehlt dabei z.B. ein Inhaltsverzeichnis am Anfang. Man findet es mehr zufällig am Ende des Buches hinter der Werbung (!).
Auch das Layout ist gewöhnungsbedürftig, weil unruhig und überladen. Es gibt praktisch keine Seite, auf der nur Text und/oder Bilder sind, sondern die sonst übliche weiße Grundseite ist fast immer (mit Ausnahme ganzseitiger Fotos) selbst ein Foto. Dieses Foto ist stark in den Kontrasten abgeschwächt und gibt den Hintergrund ab, auf dem die Fotos und oft schwer lesbare Texte angeordnet sind. Was vereinzelt durchaus reizvolle Tiefe herstellt, ist bei exzessiver Anwendung wie hier unklar und ermüdend.
Es gibt viele Details, die den unruhigen Eindruck verstärken und den Leser irritieren. Das mag mit der Herstellung in Litauen zu tun haben, wo scheinbar andere Standards gelten.
Sei‘s drum, das Buch bietet auf gut 100 Seiten dem Anfänger viele Basics und dazu wichtige Erfahrungen des Autors, die ja nicht jeder selbst machen muss. Es ist so eine Einstiegshilfe.

Basic Bonsai.
Jürgen Zaar; 104 Seiten, 27,5cm x 21,5 cm, durchgehend farbig, Hardcover, 27,80 Euro

Nachgelesen:

Leider widmet sich die Rezension von Michael Exner mehr der graphischen und gestalterischen Ausführung des Buches und weniger dem Inhalt. „Basic Bonsai“ ist aus meiner Sicht das erste Einsteigerbuch, das die Grundlagen modernen Bonsais in so kompakter Form darstellt und den unbedarften Bonsailaien nicht auf Um- oder Irrwege führt. Keine seitenlangen Ausführungen über Samenanzucht und Stecklingsvermehrung, dafür, wohl erstmalig in einem Einsteigerbuch, detailreiche Erläuterungen zu Yamadoribergung, -kultivierung und -gestaltung. Moderne Gestaltungstechniken, die bis dato fast nur in Fachzeitschriften beschrieben wurden, sind in dem Buch detailliert bebildert und beschrieben dargestellt, etwa moderne Totholz- und Biegetechniken. Ich persönlich habe in dem Buch etwas gefunden, wonach ich lange vergeblich gesucht habe: einen prophylaktischen Spritzplan zur Gesunderhaltung der Bäume. Bei der Beurteilung der graphischen Ausführung sollte erwähnt werden, dass das Buch für den litauischen bzw. osteuropäischen Markt konzipiert ist, wo Jürgen Zaar seit Jahren vorbildliche Basis- und Aufbauarbeit leistet.

Thomas Pallmer (Pirna)

„Bonsai für jeden“ von Werner M. Busch

Das Urgestein der Bonsaiszene Deutschlands und vielfacher Buchautor Werner M. Busch hat erneut im BLV-Verlag ein Buch veröffentlicht, eines, das jedem Bonsai näher bringen soll. Der Wunsch ist so verständlich wie vermessen, denn Bonsai kann nicht für jeden sein, sondern kann aufgrund seiner komplexen Bedürfnisse nur von dem Teil der Menschheit adoptiert werden, der bereit ist, eine kontinuierliche Bemutterung einer Pflanze zu übernehmen. Nimmt man es mit dem Titel nicht so genau, verfolgt Busch einen interessanten Ansatz, der einen niedrigschwelligen Einstieg in das Bonsaihobby verspricht. Was kann Bonsai sein, wenn man keine künstlerischen Ambitionen hat?

Es kann viel sein! Das ist der erste Eindruck, den das Buch vermittelt. Busch geht anders vor als in Anfängerbüchern üblich. Das Hardcover-Buch ist mit seinen 143 Seiten knapp und übersichtlich gehalten und reich mit Farbfotos bebildert. Sie sind insofern hilfreich, als dass sie etwa speziell für die beschriebenen Techniken angefertigt wurden, oder eben die behandelte Baumart als Bonsai darstellen. Dabei zeigen die Fotos hübsche Bonsai, ohne jedoch ausgesuchte Meisterwerke vorzuführen, die viele Menschen in ihrer Perfektion leicht erschrecken und entmutigen. Überhaupt ist Busch in seinem Buch sehr bodenständig. Dazu komme ich später noch.
Der Aufbau des Buches weist einige Besonderheiten auf. Nach einer Einführung, die die Beschaffung und die grundsätzliche Pflege auf gut 30 Seiten behandelt, folgen zehn Kapitel, die die verschiedenen Gehölzgruppen nach Merkmalen und Pflegekriterien zusammenfassen. Blütenbonsai und Fruchtbonsai werden voneinander getrennt behandelt, Kiefern und Lärchen dagegen zusammen. Buchen werden mit Eichen, Birken mit Hainbuchen in Kapiteln verbunden. Dieses System macht Sinn, denn der Autor kennt sich nicht nur mit den hierzulande notwendigen Pflegemaßnahmen aus, sondern gibt aus seiner reichhaltigen Erfahrung auch manchen Expertentipp preis, der Enttäuschungen verhindern hilft.
Auch ein Kapitel über Zimmerbonsai zeigt die praktische Erfahrung von Busch mit den Schwierigkeiten der jeweiligen Gehölze. Er teilt die Zimmerbonsai in Warm- und Kalthauspflanzen und lässt keinen Zweifel an dem nicht unproblematischen Aufwand, der bei der Pflege dieser Arten zu betreiben ist, ohne letztlich zu ausgezeichneten Ergebnissen kommen zu können. Die Probleme werden benannt und mögliche Lösungen diskutiert, um dem Leser ein möglichst realistisches Bild davon zu geben, was auf ihn zukommt, wenn er sich mit dieser oder jener Pflanze beschäftigen will.
Den inhaltlichen Abschluss bildet ein Kapitel über Pflanzenkrankheiten, wobei auch hier die Erfahrung die wichtigen von den weniger wichtigen Krankheiten und Schädlinge scheidet.
Der Löwenanteil des Buches wird von den Beschreibungen der 10 Gehölzgruppen gestellt. In diesen Kapiteln wird besonders deutlich, das der Autor das vorhandene Wissen zusammen mit seinen Erfahrungen auf kompakte Weise dem Leser zur Verfügung stellen kann. Er geht dabei sehr pragmatisch und, wie gesagt, bodenständig vor. Was muss man wissen, damit die Kultivierung klappt? Wo ist Geduld gefragt und wo kann man Gas geben? Welche Arten sind einfacher, welche schwieriger zu behandeln? Mich haben auf diesen 100 Seiten die Sicherheit und die Klarheit überzeugt, mit der Busch diese Fragen beantwortet und seinen Lesern deutlich macht, wie er die Sache sieht.
Ein weiterer Vorteil dieses Buches wird im Stichwortverzeichnis deutlich: Sehr viele Pflanzenarten werden behandelt, vor allem heimische bzw. in unseren Baumschulen angebotene; man hat so ein breites Spektrum der zur Bonsaikultur geeigneten Spezies versammelt. Da alle einem der zehn Kapitel zugeordnet sind, bleibt die Behandlung und Pflege übersichtlich.
Wie immer zum Schluss die Einschätzung des Buches. Es gibt viele Anfängerbücher, die von manchem zu viel und von vielem zu wenig bieten. Dieses Buch ist mit seinem pragmatischen Ansatz und auf seine einfache Art ein wirklicher Gewinn in diesem Sektor. Es ist zwar kein Buch, das jeden zu Bonsai bringt, wer aber zu Bonsai finden will, hat in diesem Buch einen fundierten Ratgeber, der ihn und vor allem seinen Bonsai nicht im Stich lässt. Hält man sich an die Vorschläge Buschs, muss kein Baum eingehen, und das ist schon eine ganze Menge..

Bonsai für jeden. Busch, Werner M.
144 Seiten, 21 cm x 27,5 cm, durchgehend farbig, Hardcover, 16,95 Euro.

"Junipers", Bonsai Today Masters’ Series

Mit diesem Titel und der Ergänzung „Growing & Styling Juniper Bonsai“ ist klar, dass es sich um ein englischsprachiges Buch zur Gestaltung und Pflege von Wacholdern handelt. Es ist in diesem Jahr im Stone Lantern Verlag in den USA erschienen und ergänzt als zweiter Band der Masters’ Series den 2005 erschienenen Titels „Pines“, der sich mit Kiefern befasst.

Unsere langjährigen Leserinnen und Leser werden viele der Artikel kennen, deren Zusammenstellung dieses Buch ergibt. Bonsai Today war das Schwesterblatt der BONSAI ART in den USA und basierte auch auf der japanischen Fachzeitschrift Kindai Bonsai. Den größten Teil der 175 Seiten machen also ältere Artikel von Kimura, Kobayashi, Kaneko und Co. aus. Neben diesen kann man aber auch eine Gestaltung von Udo Fischer sehen, Harry Hirao und Ernie Kuo vertreten dazu die Vereinigten Staaten. Die Japaner stellen jedoch die allermeisten Artikel. Deren Inhalte decken alle Bereiche von Vermehrung über Pflege und Gestaltung bis hin zu besonderen Techniken ab. Auch zu Shohin lässt sich etwas finden. Auf den letzten 15 Seiten kann man eine Galerie von Wacholder-Bonsai bewundern. Auch das Buch über Kiefern ist so aufgebaut.
Worin liegt nun das Besondere an dieser Veröffentlichung? Es gibt bzw. gab zwar schon spezielle Pflegeanleitungen für Wacholder, aber dieser DIN A4- Band im Softcover bietet eine Fülle von Informationen rund um diese Gattung, die man sich bisher zusammensuchen musste. Das ist das große Plus dieses Buches. Da die einzelnen Artikel nicht aufbereitet sind, stößt man jedoch auch auf einige Wiederholungen. Zeitschriftenartikel sind ja meist so verfasst, dass sich darin der Prozess der Gestaltung und Pflege wiederfindet. So geht es in den meisten Artikeln auch um’s Drahten und Umtopfen, Techniken, die man nach einigen Wiederholungen „mitsingen“ kann. Da merkt man, dass die Herausgeber sich der Aufgabe, eine Monografie zum Thema Wacholder zu verfassen, nicht gestellt haben. Sei’s drum! Auf der anderen Seite fehlt es wiederum an grundsätzlichen Basisinformationen für blutige Anfänger im Bonsaigeschäft. Für diese ist das Buch zu speziell und auch zu komplex, worauf die Herausgeber jedoch auch hinweisen.
Wenden wir uns nun einem besonders interessanten Artikel zu. Damit meine ich eine Arbeit von Kimura, der einen verwahrlosten J. procumbens zu einem Bunjin gestaltet (aus BONSAI ART 52, S. 22 ff). Der Baum ist schwach und das zeigt er in seinen untersten Ästen. Kimura entscheidet sich in diesem Fall, die jahrelange Schwäche des Baumes zu einer Stärke umzudefinieren. Bunjin strahlen, anders als die meisten Bonsai, oft etwas Verlottertes, Zerzaustes aus. Will sagen: Überlebt hat der Baum zwar, aber nur eben gerade und nicht sehr wohl. Das bringt dieser Wacholder also schon mit. Der unterste, fast tote Ast wird entfernt. Der nächste ist auch sehr schwach, wird mit seiner dünnen, offenen Belaubung jedoch zum Prototyp aller folgenden Äste. Die Spitze der Krone muss stark ausgedünnt werden, damit die Proportionen der Belaubung sich an den schwachen ersten Ast anpassen und der Bunjin insgesamt zwar über schwach erscheinende, aber ausgewogene Grünbereiche verfügt. Der wichtigste Ast (Sashi-eda), der auch die Bewegung des Baumes aufnimmt und fortführt, ist in diesem Fall nicht der erste Ast – der ist dafür zu klein und zu schwach – sondern der dritte Ast. Er ist auch der am weitesten ausgreifende und üppigste, wenn man bei diesem wettergegerbten Gesellen überhaupt von üppig sprechen will. Bei einer Gesamthöhe von 84 cm ist der Wacholder trotzdem immerhin 60 cm breit. Dieser Bonsai erzeugt genau das Gefühl, dass den Bergwanderer erfasst, wenn er auf einer kargen Hochfläche auf einen mehr tot als lebendig erscheinenden Baum trifft, dessen Leben als eine interessante Geschichte von Wind und Wetter zu erzählen wäre. In diesem Buch finden sich denn auch viele Geschichten vom Bonsaiwerden verschiedener Wacholder.
Im Buch „Pines“ derselben Reihe ist das ebenfalls so, nur dass es um Kiefern (Jap. Schwarz- u. Mädchenkiefer) geht. Beide sind voller Informationen, die man sich jedoch im Detail erst aus den einzelnen Texten herausfiltern muss. Im Moment gibt es jedoch keine Alternative zu diesen Kompendien im Bereich Wacholder und Kiefern. Allerdings sind rudimentäre Kenntnisse der englischen Sprache vorauszusetzen.

Junipers.Bonsai Today Masters’ Series
184 Seiten, 21,5 cm x 28,5 cm, durchgehend farbig, Softcover, 29,90 Euro.